| Der Bezirk Bragin gehört zu den infolge des Tschernobylunfalls meist betroffenen Gegenden. Das Territorium des Bezirks liegt in unmittelbarer Nähe vom Atomkraftwerk. In der Zeit nach der Katastrophe wurden aus der landwirtschaftlichen Nutzung ca. 50 842 Ha ausgeschlossen. Über 64 000 Ha kontaminierter Böden wurden dem staatlichen Strahlen- und Naturschutzgebiet Polesje zur Verfügung gestellt.
Landwirtschaftsböden nehmen 25,3% des Territoriums des Bezirks oder 49,7 Tsd. Ha in Anspruch. Die Gesamtfläche der Landwirtschaftsböden mit der Kontaminationsdichte an 137Cs von über 1 Ci/km2 (über 37 kBq/m2) beträgt 88% und mit der Kontaminationsdichte an 90Sr über 0,15 Ci/km2 (über 5,5 kBq/m2) - 92%. Auf dem Bild 1 sind Landwirtschaftflächen mit unterschiedlicher Kontaminationsstärke dargestellt. Bild 1. Schema der Kontamination von Landwirtschaftsböden mit 137Cs und 90Sr, %. 18 Jahre nach dem Tschernobylunfall bleibt die Landwirtschaftsproduktion mit akzeptablen Radionuklidenanteilen im Bezirk Bragin ein echtes Problem. Dies kommt auf hohe Kontaminationsdichte und niedrige Fruchbarkeit der Böden zurück. Ebenso wichtig ist das Ausbleiben eines systemischen Herangangs an Schutzmaßnahmen. Die Angaben einer agrochemischen Studie zeigen, dass 39,5% Ackerland und 58% Weiden und Heuschläge Kalkdüngung erfordern. Auf 49,6% Ackerland und 80% Weiden und Heuschläge sind Phosphordünger unentbehrlich. Auf 63,3% Ackerland und 88,5% Weiden und Heuschlag müssen Kalidünger verwendet werden.
Der überwiegende Bodentyp sind Rasen- und Podsolböden während der Anteil von Rasenböden und Auenböden geringer ist. Der Großteil des Ackerlandes entfällt auf leichte Sandböden und Heuschläge und Weiden ruhen auf sümpfigen Torfböden (Bild 2). Beim Anbau landwirtschaftlicher Kulturen ist ein hoher Übergang von Radionukliden aus dem Boden in die Pflanzen. Bild 2. Bodenverteilung nach Typ und Zusammensetzung, % Im Sinne einer effizienten Landwirtschaftsproduktion auf begrenzt fruchtbaren Böden sind Schutzmaßnahmenkomplexe unentbehrlich. Es geht dabei primär und die Klakdüngung der Böden, Eintragung von Phosphor- und Kalidüngern unter Berücksichtigung der Fruchtbarkeit der Böden und der Kontaminationsdichte. Diese Aktivitäten werden zu 60-80% aus Mitteln des staatlichen Programms zur Linderung von Tschernobylfolgen finanziert. Pflanzenzucht. Die Prognose der Kontamination mit 137Cs des Winterweizens, Winterroggens sowie Gersten und Hafer zeigen, dass praktisch auf allen Feldern die 137Cs-Belastung die maximal zulässige Normen nicht überschreiten wird. Die einzige Ausnahme bilden Haferernten in vier Landwirtschaftsunternehmen. In den Vordergrund tritt das Problem der Belastung von Getreide mit 90Sr. Laut der Prognose der Kontamination mit 90Sr ist es nicht möglich auf 72,3% Ackerland mit der Kontaminationsdichte an 90Sr über 0,5 Ci/km2 Getreide für Nahrungsgüter zu erhalten. Es erscheint deshalb sinnvoll die Erträge als Saatgut oder Futter zu benutzen.
Die Kontaminationsdichte mit 137Cs bedeutet keine Einschränkungen für den Kartoffelanbau. Für 90Sr-Belastung gelten Beschränkungen auf dem Territorium von 14 Landwirtschaftsunternehmen. In diesen Unternehmen muss auf die Auswahl der geeigneten Felder geachtet werden, insbesondere bei Privatpersonen. Nämlich in Privathaushalten werden die mesiten Fälle unzulässiger Strahlenbelastung registriert.
Wie schon gesagt wurde, sind die Mengen von Düngemitteln aus wirtschaftlichen Gründen reduziert worden, was die Erträge der Kulturen negativ beeinflusst hat (Bild 3.) Deshalb sind die Erträge entsprechend niedrig: bei Getreide liegt diese Zahl bei 20 Doppelzentner/ha und bei Kartoffeln bei 70-100 Doppelzentner/ha. Bild 3. Dynamik der Erträge im Zeitraum vom 1986-1990 und 1998-2000
Die Ertragswerte im privaten Bereich sind in der Regel nicht höher und manchmal niedriger als bei Kollektivwirtschaften. Zugleich weisen die Produkte dort eine stärkere Strahlenbelastung auf. Die Lebensmittel aus eigenen Gärten bilden die Nahrungsgrundlage im Dorf und sorgen für die inkorporierte Strahlenbelastung. In diesem Zusammenhang erscheinen Maßnahmen zur Erhöhung der Strahlenkultur als enorm wichtig, weil sie die Fertigkeiten des Wohnen auf verseuchten Gebieten beibringen.
Die Heuschläge und Weiden werden viel weniger mit Düngern versehen (etwa 88 kg/Ha) als das Ackerland (220 kg /Ha). Das verursacht einen erheblichen Übergang von Radionukliden ins Futter und dann in die Produkte der Viehzucht. Im Sinne der Erhöhung der Effizienz der Pflanzenzucht und Schaffung einer stabilen Futterbasis und auf deren Grundlage eines nachhaltigen Wachstums der Viehzucht soll die Anwendung von Düngemitteln zu einer Priorität werden, insbesondere auf kontaminierten Gegenden.
Die wirtschaftliche Entwicklung des Bezirks besiert auf der Landwirtschaft. Auf dem Territorium des Rayons befinden sich 20 Landwirtschaftsunternehmen. Ein akutes Problem ist hier die Beschäftigung, was einen niedrigen Lebensstandard prägt.
Zur Zeit wird viel Aufmerksamkeit nicht nur dem Erhalt von sauberen Produkten sondern auch der Erhöhung wirtschaftlicher Effizienz geschenkt.
Milch. Eines der größten bisher ungelösten Probleme ist die Produktion von übermäßig mit 90Sr č 137Cs belasteter Milch im privaten Sektor. Der private Viehbestand im Bezirk beziffert sich auf 2018 Kühe. Im staatlichen Bereich sind es 6800 Köpfe. Die Milcherträge liegen bei 2000-2200 l im Jahr. Insgesamt werden im ganzen Bezirk 13 bis 14 Tonnen Milch jährlich produziert.
Trotz der Tatsache, dass aus dem Tschernobyl-Programm Geltmittel für die Gründung von Grünland (0,5 ha Grünland und 0,5 ha Heuschlag pro Viehkopf) bereitgestellt wurden, stellte man 2003 8 Orte mit übermäβig mit 137Cs Milch und 10 Orte mit übermäβig mit 90Sr belasteten Milch fest. Die Menge von übermäβig belasteter Milch verringert sich dank der getroffenen Maβnahmen, doch das Problem bleibt immere noch aktuell. (Bild 4). Nicht immer wird die im privaten Sektor produzierte Milch getestet. Im Zusammenhang mit einer hohen Kontaminationsdichte landwirtschaftlicher Nutzflächen wird die im Bezirk produzierte Milch in der Käsefabrik von Hojniki zu Butter verarbeitet. Bild 4. Dynamik der Lieferung übermäβig belasteter Milch in die Milchfabriken, der private (rechts) und gesellschaftliche (links) Sektor. Die Belastung mit 137Cs liegt über den Werten 100 Bq/kg. Dabei ist die Wahl der fruchtbarsten Gebiete für die Gründung von Grünland (mit pHKCl - über 6,0 und dem Gehalt an beweglichem Kali und Phosphor nicht weniger als 200 mg/kg Boden). Nach dem Abschluss technischer Vorbereitungsarbeiten und einer entsprechenden Pflege kann eine Weide innerhalb 4-5 Jahre genutzt werden. Eine wichtige Methode, die das Gelangen von Cesium in die Milch verhindert, sieht die Anwendung von Mischfutter mit Ferrozin. Das Mischfutter wird vor allem im Privatsektor verteilt, wo die übermäβig radiaktive Milch produziert wird. Die Qualität der Aufklärungsarbeit im Bereich richtiger Anwendung von ferrozinhaltigen Stoffen muss erhöht werden.
Fleisch. Im Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Produktion von Milch mit niedriger Radioaktivität unmöglich ist, gilt die Mastviehzucht als eine perspektive Richtung für die landwirtschaftliche Entwicklung des Bezirks. In einigen landwirtschaftlichen Betrieben wird Viehzucht zur führenden Branche und ist rentabel (bis zu 15% Rentabilität). Nach statistischen Angaben werden im Bezirk jährlich etwa 2000 Tonnen Rindfleisch realisiert. Junges Mastvieh wird täglich um 240-300 Kilo schwerer. Indem man die Probleme der Rindfleischproduzierung richtig löst, kann man also wirtschaftlichen Gewinn erzielen und die Arbeitslosenquote senken.
Erfahrungen im Bereich der Viehzucht hat das Kombinat “Komarinskij”. Ähnliche Erfahrungen im Bereich der Jungviehmast hat auch der private Sektor, wodurch der Lebensstandard der Bevölkerung erhöht werden kann. |