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Medizinische Versorgung


BRAGIN
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Medizinische Versorgung

Das territoriale medizinische Zentrum von Bragin versorgte zum 01.01.2002 insgesamt 17597 Personen, davon 3392 Kinder, 559 Jugendliche (in der Stadt Bragin direkt waren es 3500, in den anderen Städten - rund 5800, Dorfbewohner – ca. 11600, ca. 100 Industriearbeiter sowie etwa 2900 Beschäftigte im Bereich Landwirtschaft).

Die demographische Situation im Bezirk zeichnet sich durch solche Merkmale wie niedrige Geburtenraten, hohe Mortalität, negative Populationszuwachsraten sowie hohe  Säuglingssterblichkeit aus (Bild 1).

Bild 1. Demographische Dynamik im Bezirk Bragin (pro 1 Tausend Einwohner)

Unter den Ursachen der Säuglingssterblichkeit sind Erkrankungen der Atemorgane, Infektionskrankheiten, perinatale Zustände sowie angeborene Entwicklungsfehler zu nennen. Hohe Kennzahlen der Säuglingssterblichkeit widerspiegeln die Qualität der primären medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Die wichtigsten Ursachen der Sterblichkeit bei Erwachsenen sind Herz- und Gefäßkrankheiten, Neubildungen, Vergiftungen und Verletzungen sowie nicht genau diagnostizierte Symptome. Es muß berücksichtigt werden, dass es in der Bevölkerungsstruktur sehr viele ältere alleinstehende sozial schwache Menschen gibt. Sie werden häufiger krank und die frühe Sterblichkeit ist bei ihnen nicht rar.

Die medizinische Versorgung erfolgt in 19 medizinischen Einrichtungen:

  • das zentrale Bezirkskrankenhaus in Bragin mit der Kapazität von 130 Betten,
  • Bezirkskrankenhaus im Ort Komarin mit 60 Krankenbetten,
  • vier Dorfambulanzen  (in drei davon fehlen Ärzte mit Hochschulabschluß),
  • 13 Feldscher- und Geburtshilfepunkte (vier davon nicht ordnungsgemäß besetzt),
  • Revierkrankenhaus in Kriwtschany mit 10 Sozialbetten.

Es funktionieren im städtischen Bereich 2,5 internistische Versorgungsreviere und 3,5 Reviere im ländlichen Bereich; kinderärztliche Hilfe wird in 1,5 städtischen und 1,5 ländlichen Reviere erwiesen. In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl  medizinischer Einrichtungen primärer Stufe nicht verändert.

Im Jahre 2001 arbeiteten im Bezirk 15,4 Ärzte auf 10 Tausend Einwohner (Durchschnitt im Gebiet - 38,8). Mittleres medizinisches Personal wies eine Relation von 89,7 auf 10 Einwohner auf (im Gebiet lag dieser Kennwert durchschnittlch bei 114,1). Alle Ärzte und Krankenschwester arbeiten auf Vertragsbasis.

Dem territorialen medizinischen Zentrum von Bragin fehlen dringend folgende Fachärzte:  8 Internisten, davon vier Allgemeinmediziner, zwei Operateuere, zwei Anästhesiologen, zwei Frauenärzte, drei Kinderärzte, ein Zahnarzt, ein Augenarzt, ein Pathologe, zwei Laborärzte, ein Rhöntgenfacharzt, ein Chefarzt (für das Krankenhaus in Komarin ebenfalls) sowie ein Stellvertreter des Chefarztes für Fragen der medizinischen Einrichtungen. Bei der schnellen medizinischen Hilfe sind zwei Ärzte dringend notwendig.

Im Jahre 2001 hat die Fluktuation der Arbeitskräfte zugenommen. So entfallen bei Ärzten fünf Einstellungen auf neun Kündigungen  (2000 hielt das Verhältnis in etwa die Waage). Beim mittleren medizinischen Personal ist die Relation acht zu acht (im Jahre 2000 entfielen acht Neueinstellungen auf 10 Kündigungen).

Die Wohnungsfrage bleibt im wesentlichen ungelöst. Im Jahre 2001 wurden dem mittleren medizinischen Personal zwei Gemeinschaftswohnungen zur Verfügung gestellt, wo insgesamt vier Personen untergekommen sind. Die Ärzte haben keine einzige Wohnung erhalten. Es bedürfen einer Wohnung acht Ärzte und 15 Mediziner mittleren Bereichs. Weitere 18 Mediziner brauchen bessere Wohnverhältnisse. Für das Jahr 2002 sind 44 Wohnungen angesichts der vakanten Stellen eingeplant.

Im Bezirk funktioniert  die Abteilung des staatlichen Registers der Tschernobylopfer.

Die betroffene Bevölkerung wird jährlich zu 98-99% mit Kräften des territorialen medizinischen Zentrums sowie durch ambulante Brigaden aus Minsk und Gomel untersucht.

Die medizinischen Einrichtungen des Bezirks sind im wesentlichen mit moderner medizinischer Technik versorgt, obwohl vieles noch ausgewechselt bzw. modernisiert werden muß. Auf der Bedarfsliste stehen zehn Positionen: mobiles Rönthgengerät; Beatmungsgerät vom Typ "Stefan" mit Zubehör; Gerät für Anästhesie vom Typ "Anemat ¹ 8 mini" von ÑHIRANA-PREMA mit kompletten Zubehör; zwei Blutanalysatoren; Harnanalysatoren, Analysekits; Elektrolytenanalysegerät BABL-70; endoskopische Anlagen; multifunktionale Ultraschallgeräte  (stätionär und mobil); Strahlenmeßgerät vom Typ WBC Aloca (mobil und stationär).

Es müssen PCs beim Tschernobylregister erneuert werden. Zur effizienteren Nutzung des Register ist der Aufbau eines Lokalnetzes erforderlich.

Zur weiteren Ausführung des Programms zur Linderung von Tschernobylfolgen benötigt der Bezirk finanzielle Unterstützung, um nicht nur medizinische Geräte und Medikamente zu erwerben, sondern auch um einen Minibus für ambulante medizinische Brigade zu kaufen. Der Erwerb einer mobilen Zahnarztpraxis für die Behandlung von Kindern in den Kindergärten und Schulen des Bezirks ist ebenfalls vonnöten.

Eines der größten Probleme des lokalen Gesundheitswesens ist die Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten. Die Versorgung mit Arzneimitteln betrug im Jahre 2001 88,2% (mit humanitären Medikamentenlieferungen). Ab und an fehlen notwendige Impfstoffe.

Die Analyse des Erkrankungsbildes bei Erwachsenen und Jugendlichen zeigt, dass in den letzten drei Jahren eine Annäherung von Kennzahlen der primären und allgemeinen Erkrankungsraten an die durchschnittlichen Werte des Gomeler Gebiets zu verzeichnen ist.

Neben einer Reduzierung von Hauterkrankungen, Erkrankungen des Unterhautzellgewebes, des Muskel- und Knochensystems und der Verbindungsstoffe, Verletzungen und Vergiftungen, Symptomen der Grenzzustände, primären Neubildungen und angeborenen Entwicklungsfehlern bleibt das Niveau der perinatalen Pathologie stabil.  Die Krankheiten des Drüsensystems haben zugenommen, überwiegend durch häufigeres Auftreten des einfachen Kropfs. Nicht unwesentlich hat dazu mangelnde Iodprophylaxe beigetragen. Die Zahl der neudiagniostizierten Anämiefälle hat zugenommen, überwiegend bei klienen KIndern. Die Krankheiten des Nervensystems und der Sinnorgane sind häufiger geworden, vor allem dank besserer Diagnostizierung (in die Zusammensetzung der ambulanten medizinischen Brigade wurde ein Augenarzt aufgenommen).
Behinderungen im Alter von 18 Jahren werden häufiger durch die  bei der Ultraschalldiagnostik übersehene angeborene Entwicklungsfehler, Schilddrüsenkarzinome sowie Kinderzerebralparäse und Epilepsie. Die Familien dieser Kinder wohnen in den verstrahlten Gebieten. Die Fälle der Helminthiasis häufen sich.

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