| Die Zahl der Bildungseinrichtungen im Bezirk ist verhältnismäβig groβ. In Betrieb sind 15 Schulen, 3 Schulen mit Gruppen für Vorschulkinder, 9 Kindergärten, 10 Kulturhäuser, 10 Freizeitklubs und 18 Bibliotheken. Aus der Abbildung 1 ist ersichtlich, dass die Zahl der Bildungseinrichtunegn im Vergleich zum Jahr 1986 drastisch zurückgegangen ist. Bild.1 Anzahl der Bildungsenrichtungen im Bezirk Tschetschersk. Stand: 1986 und 2003. Im Bezirk Tschetschersk sind 3 Schulen mit Gruppen für Vorschulkinder, 8 Mittelschulen, 6 so genannte Basisschulen und eine Grundschule in Betrieb. Die Zahl der Schüler in einer Basisschule beträgt im Schnitt 80 bis 112. Insgesamt werden im Bezirk 2607 Schüler und Vorschulkinder von 331 Lehrern betreut. An 6 Schulen im Bezirk sind einige Lehrerstellen nicht besezt. Der gesamte Lehrkörper im Bezirk soll 334 Lehrkräfte betragen, das heiβt, es fehlen derzeit 13 Fachkräfte. In den Kindergärten werden 667 Vorschulkinder von 90 Erziehungspädagogen betreut. Fast alle Planstellen in den Kindergärten sind besetzt, es fehlt derzeit nur eine Fachkraft. Zurzeit sind im Bezirk 41 Kultureinrichtungen − Kulturhäuser, Freizeitklubs und Bibliotheken − in Betrieb. Es ist jedoch anzumerken, dass deren Anzahl im Vergleich zum Jahr 1986 um den Faktor 1,6 zurückgegangen ist. Auch die Anzahl der Dienstleistungsbetriebe hat sich drastisch reduziert. Während es 1986 im Bezirk 48 Dienstleistungsbetriebe gab, sind heute lediglich 23 in Betrieb, 21 davon in den Städten und 2 auf dem Lande. Die Anzahl der Einkaufsstellen beträgt 88, 40 davon sind in den Städten und 48 auf dem Lande. Im Rahmen des Besuches der Arbeisgruppe im Bezirk Tschetschersk haben mehrere Treffen mit den entsprechenden Dorfverwaltungen und Sachkundigen in den Dörfern Rowkowitschi, Polessje, Salessje und Babitschi stattgefunden. Nach den gemeinsamen Gesprächen mit der Bezirksverwaltung wurde vereinbart, dass die Priorität dem Dorf Polessje zukommen wird. Das Dorf Polessje befindet sich in der so genannten Zone mit Recht auf Umsiedlung. Die mittlere Kontaminationsdichte an Cäsium-137 liegt bei (5-10) Ci/qkm. Das Dorf hat 522 Einwohner, 117 davon sind Kinder. Die Dorfbewohner sammeln Pilze (so werden beispielsweise Pfifferlinge zu Verkaufszwecken gesammelt). Im Dorf gibt es ein Ambulatorium, eine Schule mit Gruppen für Vorschulkinder mit 135 Plätzen (Stellvertretende Direktorin Komissarowa), einen Freizeitklub (Direktor Bolsun) und eine Bibliothek (Bibliothekarin Potapowa). In der Schule gibt es 138 Schüler und 28 Vorschulkinder. Die Schulklassen umfassen im Schnitt 10 bis 15 Schüler: Vorschulkinder − 28, Klasse 0 − 10, Klasse 1− 15, Klasse 2 − 10, Klasse 3 − 9, Klasse 4 − fehlt, Klasse 5 − 14, Klasse 6 − 12, Klasse 7 − 12, Klasse 8 − 14, Klasse 9 − 14, Klasse 10 − 13, Klasse 11 − 15. Der Lehrkörper besteht vorwiegend aus Dorfbewohnern. Es fehlen Lehrer für Informatik und Deutsch. Die Schulleistungen sind mittelmäβig. In der Regel schaffen die Schulabsolventen die Aufnahmeprüfungen an den Hochschulen nicht. Die meisten versuchen, sich an den pädagogischen und medizinischen Fachschulen einzuschreiben. Für die jungen Fachleute gibt es dann allerdings keine Arbeitspläze auf dem Lande. In der Schule mit den Gruppen für die Vorschulkinder gibt es Arbeitskreise für Holzschnitzerei und Makramee. Die Schule hat auch einen Schulgarten. In einem Treibhaus − 1500 Quadratmeter − wird Gemüse für die Verpflegung der Schüler angebaut. Alles, was übrig bleibt, wird verkauft. Das Geld kommt der Schule zugute und wird für die Renovierungsarbeiten ausgegeben. Das Gemüse soll einer obligatorischen Unterschung auf Radionuklide unterzogen werden. Die Durchführung solcher Untersuchungen ist allerdings problematisch, denn sie ist gebührenpflichtig. Als eine Art Hilfeleistung für die Forstwirtschaft Polessje soll bei der Schule eine Schülerforstwirtschaft unter der Leiung der Biologielehrerin Dudkina geshaffen werden. Im Freizeitklub werden mehrere Arbeitskreise und eine Schule der Volkskunst und Handarbeit − Stickerei und Stricken − betrieben. Es gibt Vokal- und Folkloregruppen. Es werden Diskotheken veranstaltet, die im Sommer von bis zu 150 und im Winter bis zu 50 Personen besucht werden. Es gibt allerdings weder Filmvorführgeräte noch einen Filmvorführer. In der Bibliothek sind 400 Leser eingeschrieben. Die Biblioheksbestände umfassen 13.000 Bücher. Es gibt allerdings keine Neuerwerbungen. Es ist notwendig, eine groβ angelegte Aufklärungskampagne im Dorf durchzuführen. Künftige Programme zur Aufklärung über den Strahlenschutz sollen verschiedene Bevölkerungsgruppen ansprechen: Kinder verschiedenen Alters und Erwachsene mit unterschiedlichem Bildungsniveau und beruflichem Hintergrund. Mit der Zeit werden die Kinder ihre im Rahmen des Programms zur Ökoaufklärung erworbenen Kenntnisse an ihre Eltern und Nachbarn weiterreichen. Das heißt, die junge Generation wird zum Basisvermittler der Ökokultur für Erwachsene. Die Ökoaufklärung wird das allgemeine Niveau der Ökokultur in der Bevölkerung steigern. Dies wird die Bewohner der verseuchten Regionen im Endeffekt in die Lage versetzen, die Gefahren im alltäglichen Leben zu reduzieren, auf die Auswirkungen der ungünstigen Umweltfaktoren angemessen zu reagieren und ihre Arbeits- und Lebensbedingungen selbstständig zu verbessern. Bei den Betroffenen wird durch solche Programme das allgemeine Interesse geweckt, sie werden mit der Zeit die Notwendigkeit erkennen, sich über den Srahlenschutz zu informieren, was seinerseits zu einer deutlichen Verbesserung der Ökokultur und Stärkung des umweltgerechten Bewußtseins führen wird. |