| Die Dynamik demographischer Kennwerte im Bezirk weist Ähnlichkeiten mit der entsprechenden Situation im ganzen Lande wie z.B.Senkung der Geburtenrate, Zunahme der Sterblichkeit sowie negative Kennzahlen des natürlichen Bevölkerungszuwachses (wobei diese erst seit 1999 registriert werden). Die Kennzahlen der Säuglingssterblichkeit sind nah zu denen im ganzen Lande. Die Hauptursachen der Säuglingssterblichkeit in den letzten 4 Jahren sind angeborene Entwicklungsfehler sowie einyelne Zustände der perinatalen Zeit. Bei den Erwachsenen sind Herz- und Gefäßkrankheiten die erstrangige Todesursache. Ihnen folgen Traumata und Vergiftungen sowie onkologische Erkrankungen.
Von Jahr zu Jahr wird die Zunahme sowohl primärer als auch algemeiner Erkrankungsraten bei allen Bevölkerungsschichten fast in jeder Krankheitsklasse festgestellt. Das Zuwachstempo hat sich allerdings gesenkt und seit Ende der 90er ist eine Stabilisierungstendenz im Gange (Bild 1). Bild 1. Dynamik der allgemeinen Erkrankungsraten im Bezirk Stolin (pro 1Tsd. Einwohner). Höhere Erkrankungsraten bei Kindern und Heranwachsenden kommen u.a. auf gute Diagnostizierung zurück, die wiederum ein Ergebnis einer obligatorischen Untersuchung ist. Diese Untersuchung wird einmal im Jahr vorgenommen. Diesen Zwecken dienen ambulante Brigaden der Kinderberatungsstellen auf Bezirks- und Gebietsebene. 200 wurden 1046 Kinder im Rehabiloitationszentrum in Pinsk ganzheitlich untersucht. Solche Möglichkeiten für die Untersuchung Erwachsener bestehen nicht, weil die meisten Menschen in entfernten Wohnorten ihr Zuhause haben, wo ältere Leute einen Großteil bilden. Wirtschaftliche Probleme (geringe Verdienste, Probleme mit dem Transport oder unerschwingliche Transportleistungen sowie saisonbedingte Arbeitsweise führen dazu, dass die Dorfbewohner Bezirkspolikliniken mit Möglichkeiten einer gründlicheren Untersuchung nur bei akutem Bedarf ansprechen.
In lokalen medizinischen Einrichtungen wie Dorfambulanzen oder gar Krankenhäusern, wo es manchmal jahrelang keinen Arzt und keine Labors und notwendige Anlagen gibt, ist eine umfangreiche Untersuchung gar nicht denkbar. Ambulante ärztliche Brigaden aus dem Bezirks- oder Gebietszentrum sind ebenfalls nicht im Stande das Problem flächendeckender Untersuchung zu lösen, weil auch hier wirtschaftliche Gründe in den Vordergrund treten (keine mobilen Geräte für komplexe Untersuchungen, nicht ausreichend qualifizierte Spezialisten etc.) Kraft dieser Umstände kann vermutet werden, dass die tatsächliche Zahl von Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und anderen gesundheitlichen Problemen weitaus höher liegt.
Unter den Krankheiten, die ein Besorgnis der Bevölkerung wegen des Verbleibs auf verseuchten Territorien hervorrufen stehen onkologische Pathologien an erster Stelle. Wie aus dem Bild 2 ersichtlich, haben sich die Kennwerte der onkologischen Krankheiten und die Mortalität etwas stabilisiert. Bild 2. Dynamik der onkologischen Erkrankungen (auf 1Tsd. Einwohner). Am häufigsten kommen die Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der Atemorgane vor. Die Männer erkranken häufiger. Bei Frauen ist der Brustkrebs das Problem Nr. 1. Bei Neranwachsenden (34 Personen) wird am häufigsten der Schilddrüsenkrebs diagnostiziert.Ihm folgen Gehirntumore sowie andere Lokalisierungen. Medizinisch erfaßt wegen Onkopathologie sind 12 Menschen. 2001 kamen vier neue hinzu (zwei mit Schilddrüsenkrebs, ein Lymphomfall, ein Gehirntumor). Die Leukosen sind wie landesweit seit Jahren auf konstanter Ebene.
Die allgemeinen Erkrankungsraten bei Erwachsenen in Bezug auf die wichtigsten Erkrankungsklassen haben sich zum Jahr 2000 stabilisiert und weisen eine fallende Tendenz auf.
Die Erkrankungsdynamik bei Erwachsenen und Kindern ist ähnlich, was wahrscheinlich auf die Ähnlichkeit der Ursachen zurückkommt.
Die Analyse der Verteilung von Kindern anhand der Gesundheitsgruppen läßt sich vermuten, dass sich der Gesundheitszustand mit dem Alter verschlechtert (Tabelle 1). Zum Schulabschluss gibt es unter den Schülern viel mehr kranke als unter den Kinder im vorschulischen Alter.
Tabelle 1. Die Verteilung der Kinder im Bezirk Stolin abhängig von den Gesundheitsgruppen (in % im Jahre 2001). | | 1. Gesundheitsgruppe | 2. Gesundheitsgruppe | 3. Gesundheitsgruppe | | Vorschulkinder (%) | 36,1 | 58,1 | 4,9 | | Schüler 2.-8. Klasse. (%) | 28,2 | 53,4 | 18,4 | | Jugendliche (%) | 25,7 | 54,2 | 20,1 | Die Analyse der Erkrankungsraten in den letzten Jahren zeugt von zunehmenden Erkrankungen in Bezug auf volgende nosologische Einheiten: Neubildungen, Stoffwechselstörungen, Blutsystemerkrankungen, Erkrankungen der Atemorgane, Urogenitalerkrankungen, Krankheiten des Knochen- und Muskelsystems, Herz- und Gefäßkrankheiten sowie angeborene Entwicklungsfehler (Bild 3).
Bild 3. Angeborene Entwicklungsfehler bei Kindern im Bezirk Stolin (pro 100 Tsd. Einwohner). Die Geburten mit angeborenen Entwicklungsfehlern nehmen nach wie vor zu. Allerdings kommen vielfältige angeborene Entwicklungsfehler seltener geworden genauso wie die lebensdrohende Fehler (im Jahre 2001 wurde keine einzige Schwangerschaftsunterbrechung nach medizinischen Anteigen vorgenommen). Unter den Fehlern kommen am häufigsten Probleme des Knochen- und Muskelsystems, des Kreislaufsystems, der Urogenitalorgane sowie andere Erkrankungen vor.
Die Bluterkrankungen sind überwiegend ein Problem der Kinder. Bei Kindern im Alter von einem Jahr bis 6-7 Jahren sind Anämien nicht selten, vermutlich alimentaren Charakters, durch Eisendefizit bedingt. Die meisten Kinder mit Anämie werden nicht extra auf Eisenmangel überprüft. In den Schulen und Vorschuleinrichtungen sind Anämiefälle seltener als bei Kindern zu Hause. Möglicherweise kommt dies auf zusätzliche (kostenlose) Verpflegung, die besser (mannigfaltiger) als zu hause ist, zurück. Allerdings gibt es nicht in jedem Dorf einen Kinderfarten und nicht alle Kinder können wegen Anämie prophylaktisch untersucht werden.
Die Pathologien des Endokrinsystems nehmen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zu. Eine solche Ähnlichkeit bei den Erkrankungsraten von Kindern und Erwachsenen erklärt sich durch Einwirkung des radioaktiven Iods auf die Schilddrüse nach dem Reaktorunfall im Jahre 1986 . Zur Zeit bleiben die Erkrankungsraten bei Kindern und Jugendlichen konstant hoch, was auf Iodmangel, Unregelmäßigkeit von prophylaktischen Maßnahmen und Senkung des Lebensstandards (sprich Qualität der NaHRUNG IN DEN Familien) zurückkommt.
Im Ergebnis des Jahres 2001 sind Infektionskrankheiten bei Kindern in etwa zurückgegangen. Das gleiche betrifft Hauterkrankungen sowie Magen-Darm-Krankheiten.
Das territoriale medizinische Zentrum hat Probleme mit den diagnostischen Geräten (es fehlen Ultraschallgeräte, Geräte für Fibrogastroskopie, Blutanalysatoren, EKG-Geräte, Blutdruckmesser u.a.). Besonders akuter Mangel besteht an mobilen Anlagen für ambulante Untersuchungen der Dorfbewohner. Weitere Schwachstellen sind Desinfektionsmittel, Medikamente und Pflegemittel.
Es bestehen Probleme mit dem medizinischen Personal. Laut dem Stellenplan vom 01.01.2002 sind in der Verwaltung des Gesundheitswesens des Stoliner territorialen medizinischen Zentrums 270,75 volle Stellen registriert (einschließlich Zahnärzte). Davon sind 240,25 Stellen mit 172 Personen besetzt. Für das mittlere Personal wurden zum 01.01.2002 794,5 volle Stellen reserviert. Besetzt davon sind 785,5 mit 805 Personen. Alle Ärzte und Krankenschwestern arbeiten auf der Vertragsbasis.
Zur Zeit sind 9 Internisten, 3 Röntgenspezialisten, ein Anestisionloge, ein Kinderarzt, ein Zahnarzt, ein Pathologe, ein Psychotherapeut sowie ein Psychologe erforderlich.
Medizinische Hilfe wird in insgesamt 63 medizinischen Einrichtungen erwiesen. Zu nennen sind zentrales Bezirkskrankenhaus Stolin mit 410 Krankenbetten, das Bezirkskrankenhaus von David-Gorodok mit der Kapazität von 200 Krankenbetten, das Haut- und Venerologiedespensaire mit 35 Krankenbetten in Stolin, 6 Dorfkrankenhäuser mit der Gesamtkapazität von 225 Krankenbetten (Tabelle 2). Es bestehen außerdem neun ärztliche Dorfambulanzen, 42 Feldscher- und Geburtshilfepunkte und drei Gesundheitspunkte.
Tabelle 2. Entwicklungsdynamik der medizinischen Einrichtungen des Bezirks nach 1986 | | 1986 | 1996 | 1999 | 2001 | | Bezirkskrankenhäuser | 3 | 3 | 3 | 3 | | Dorfkrankenhäuser | 7 | 6 | 6 | 6 | | Dorfambulanzen | 4 | 9 | 16 | 9 | | Gesundheitspunkte | 4 | 3 | 3 | 3 | | Feldscher- und Geburtshilfe | 45 | 41 | 41 | 42 | | Gesamt | 63 | 65 | 69 | 63 | Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist die Anzahl von Einrichtungen für primäre medizinische Versorgung erhalten geblieben, trotz der Senkung der Bevölkerungszahl. Kraft Personalprobleme und wegen niedrigerer Bevölkerungszahl arbeiten einige Dorfambulanzen als Feldscherpunkte.
Einige medizinische Einrichtungen primärer Ebene bedürfen einer Rekonstruktion oder Reparatur. Die Ausstattung ist entweder veraltet oder fehlt. Nicht alle Dorfambulanzen sind mit Transportmitteln versehen. Die meisten der vorhandenen Fahrzeuge müssen erneuert werden. Die Probleme mit Treibstoff bleiben bestehen. Das alles beeinflußt den Umfang und die Qualität ärztlicher Hilfe in den Dörfern. Die Personalprobleme in den Dorfambulanzen und Feldscher- und Geburtshilfepunkten lassen sich nur schwer lösen, selbst wenn es gute Wohnungsangebote in den Dörfern gibt. |